Entzündungshemmende Lebensmittel: Was laut Wissenschaft wirklich hilft
Vor einigen Jahren hatte ich eine kleine präventive Hüft-OP. Danach drückte mir der Arzt einen Zettel in die Hand — der Inhalt war ungefähr so: Entzündungen vermeiden. Weniger Fleisch essen, wegen der Arachidonsäure. Das war es. Kein großes Gespräch, kein Ernährungsplan. Ich fand das damals etwas seltsam. Fleisch weglassen, und die Hüfte wird’s danken? Aber weil der Rat aus einer Klinik kam, habe ich ihn beherzigt — zumindest ein bisschen.
Jahre später habe ich mich tiefer damit beschäftigt und verstanden: Das war ein sehr weiser Rat. Nicht nur für die Hüfte, sondern für fast alles. Chronische Entzündungen sind einer der zentralen Mechanismen hinter dem Altern. In meinem Selbstversuch, in dem ich versuchte, mein biologisches Alter um 2,5 Jahre zu senken, war entzündungshemmende Ernährung einer der zentralen Hebel. In diesem Artikel zeige ich dir, welche Lebensmittel wissenschaftlich belegt entzündungshemmend wirken, was du weglassen solltest — und wie ich das konkret in meinen Alltag integriert habe.
Was sind Entzündungen — und warum sind sie beim Altern entscheidend?
Nicht alle Entzündungen sind problematisch. Wenn du dir den Finger schneidest, reagiert dein Immunsystem mit einer akuten Entzündung — Schwellung, Rötung, Wärme. Das ist genau richtig so. Der Körper repariert sich selbst. Nach ein paar Tagen ist alles wieder gut.
Das Problem entsteht, wenn diese Entzündung chronisch wird — dauerhaft auf niedrigem Level schwelt, ohne dass der Körper jemals ganz „abschaltet“. Fachleute nennen das Inflammaging — ein Kunstwort aus „Inflammation“ und „Aging“. Der Begriff wurde vom Immunologen Claudio Franceschi geprägt und beschreibt diesen Zustand chronisch niedriger Entzündungsaktivität, der sich mit dem Alter schleichend aufbaut.
Warum ist Inflammaging so relevant? Es schädigt Zellen und Gewebe kontinuierlich, ohne dass man es direkt spürt. Studien zeigen, dass erhöhte Werte von Entzündungsmarkern wie CRP (C-reaktives Protein) und IL-6 (Interleukin-6) mit beschleunigtem biologischen Altern korrelieren. Eine 2025 in Frontiers in Aging veröffentlichte Übersichtsarbeit — eine systematische Auswertung hunderter Studien zum Thema — bestätigt, dass Inflammaging als treibender Faktor hinter zahlreichen altersbedingten Erkrankungen gilt. Ein wichtiger Gradmesser dafür ist der CRP-Wert (C-reaktives Protein) — ein Entzündungsmarker, den du bei deinem Hausarzt im Blutbild checken lassen kannst.
Das Gute daran: Ernährung ist einer der wirksamsten Hebel, um Inflammaging zu bremsen. Nicht der einzige — aber ein sehr zugänglicher.
Die wichtigsten entzündungshemmenden Lebensmittel
Das Folgende ist das Herzstück dieses Artikels. Ich habe mich an der Studienlage orientiert und gleichzeitig auf das geachtet, was ich selbst in meinen Alltag integriert habe.
1. Omega-3: Fetter Fisch und Algenöl
Omega-3-Fettsäuren — konkret EPA und DHA — sind die am besten erforschten entzündungshemmenden Nährstoffe überhaupt. Sie werden im Körper in entzündungsauflösende Botenstoffe umgewandelt (sogenannte Resolvine und Protektine), die aktiv dabei helfen, Entzündungsprozesse zu beenden.
Eine große Zusammenfassung klinischer Studien aus dem Jahr 2022 belegt: Omega-3-Fettsäuren können die wichtigsten Entzündungsbotenstoffe im Körper messbar senken — darunter CRP (ein allgemeiner Entzündungsmarker) sowie TNF-α und IL-6 (Botenstoffe, die Entzündungsreaktionen im Körper steuern). Die Studie zeigte auch, dass EPA und DHA in Kombination stärkere Effekte zeigen als jeder der beiden Stoffe allein.
Zwei- bis dreimal pro Woche fetter Fisch ist die häufigste Empfehlung in der Studienlage. Wer das nicht regelmäßig schafft — oder sich vegetarisch oder vegan ernährt — sollte besonders auf seinen Omega-3-Status achten.
Für Veganer und Vegetarier: Pflanzliche Quellen wie Chiasamen, Hanfsamen und Walnüsse (siehe Punkt 7) liefern ALA, die pflanzliche Omega-3-Vorstufe. Das Problem: Der Körper wandelt ALA nur ineffizient in EPA und DHA um. Die einzige pflanzliche Direktquelle für EPA und DHA ist Algenöl — Algen sind schließlich der Ursprung, aus dem Fische ihr Omega-3 beziehen. Algenöl-Supplemente sind die empfehlenswerteste Option für alle, die keinen Fisch essen.
Wer zusätzlich supplementieren möchte, kann auf Fischöl-Kapseln oder Algenöl-Kapseln zurückgreifen. Mehr zu Omega-3 im Detail findest du in meinem Omega-3-Artikel.
2. Olivenöl extra vergine
Olivenöl ist für mich kein Gesundheits-Hype, sondern seit Jahren mein Standardfett. Bei uns zuhause kochen wir fast ausschließlich damit.
Der Grund liegt in einer Substanz namens Oleocanthal. Sie wurde 2005 von Gary Beauchamp und Kollegen entdeckt, als Forscher bemerkten, dass frisches Olivenöl im Rachen genau denselben brennenden Effekt erzeugt wie Ibuprofen — und das ist kein Zufall. Beauchamps Team konnte in Nature zeigen, dass Oleocanthal denselben Wirkmechanismus wie Ibuprofen nutzt: Es hemmt die COX-1- und COX-2-Enzyme, die zentral an Entzündungsprozessen beteiligt sind. Bei gleicher molarer Konzentration hemmt Oleocanthal diese Enzyme sogar stärker als Ibuprofen.

Entscheidend ist die Qualität: Nur in hochwertigem extra-vergine Olivenöl mit viel Polyphenolen ist Oleocanthal in relevanter Menge enthalten. Wenn ein Olivenöl im Rachen leicht kratzt, ist das ein gutes Zeichen — genau dieses Kratzen ist das Oleocanthal. Billiges Öl, das lange im Regal stand, bringt hier wenig. Eine Übersicht über polyphenolreiche Öle habe ich in einem gesonderten Artikel zusammengestellt.
3. Beeren und Granatapfel
Blaubeeren, Kirschen, Brombeeren — und allen voran der Granatapfel. Diese Früchte stecken voller Polyphenole und Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe, die über verschiedene Wege in Entzündungsprozesse eingreifen.
Besonders gut untersucht ist der Granatapfel: Sein Hauptwirkstoff Ellagsäure wird im Darm zu Urolithinen umgewandelt, die unter anderem entzündungshemmend wirken und die Zellreinigung (Autophagie) anregen. Blaubeeren gelten als eine der polyphenolreichsten Früchte überhaupt — die Studienlage zu ihrer antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung ist solide.
4. Kurkuma
Ich gebe Kurkuma bei fast jedem Essen dazu: in Suppen, in Eier, in Soßen, manchmal in warmes Wasser mit etwas Pfeffer. Das ist mittlerweile so selbstverständlich für mich wie Salz.
Der wichtigste Wirkstoff in Kurkuma ist Curcumin. Er setzt an der Wurzel an, indem er einen molekularen Hauptschalter namens NF-κB blockiert. Dieser Schalter ist dafür zuständig, Entzündungsgene in unseren Zellen zu aktivieren — Curcumin legt ihn um. Die Studienlage zu Curcumin ist umfangreich. Ein realer Haken existiert jedoch: Die Bioverfügbarkeit aus dem Kurkuma-Gewürz ist gering. Der Körper nimmt Curcumin schlecht auf — der Pfeffer-Trick (Piperin erhöht die Aufnahme um bis zu 2.000 %) hilft, aber für therapeutisch relevante Dosen reicht das Kochen allein nicht aus.
Als Alltagsgewürz ist Kurkuma trotzdem sinnvoll — schon kleine Mengen zeigen in Studien messbare Effekte auf Entzündungsmarker. Wer gezielt supplementieren möchte, sollte auf liposomale Curcumin-Präparate zurückgreifen, die der Körper besser aufnehmen kann.
5. Ingwer
Ingwer enthält Gingerole und Shogaole — Verbindungen mit nachgewiesen entzündungshemmender Wirkung, die ebenfalls COX-Enzyme hemmen und pro-inflammatorische Zytokine (entzündungsfördernde Botenstoffe) reduzieren. In der Küche ist Ingwer leichter einzubauen als viele denken: gerieben in Dressings, in heißem Wasser als Tee, oder in Smoothies.
6. Grünes Blattgemüse
Spinat, Grünkohl, Mangold, Pak Choi — sie liefern Carotinoide, Vitamin K und verschiedene Antioxidantien, die im Zusammenspiel entzündungshemmend wirken. Vitamin K hat dabei eine besondere Rolle: Es reguliert Proteine, die an der Entzündungskaskade (einer Art Kettenreaktion im Körper) beteiligt sind. Dunkelgrünes Gemüse täglich ist keine neue Erkenntnis — aber wenn man versteht, warum es wirkt, ändert sich die Motivation.
7. Nüsse und Samen: Walnüsse, Chiasamen, Hanfsamen
Walnüsse sind die einzige Nussart mit einem relevanten Gehalt an Alpha-Linolensäure (ALA), der pflanzlichen Omega-3-Vorstufe. Der Körper kann ALA teilweise in EPA umwandeln, auch wenn die Effizienz dieser Umwandlung begrenzt ist.
Chiasamen und Hanfsamen liefern ebenfalls pflanzliche Omega-3-Fettsäuren — und Hanfsamen hat zusätzlich ein ausgesprochen günstiges Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 (etwa 3:1, während das westliche Durchschnittsverhältnis eher bei 15:1 liegt).
Beides liegt bei mir täglich auf einem kleinen Tablett, das ich morgens zum Müsli stelle — zusammen mit Hagebuttenpulver, Amla und Weizenkeimen für Spermidin. Das klingt aufwändiger als es ist: zwei Minuten, und es ist zur Gewohnheit geworden.

8. Grüner Tee
EGCG (Epigallocatechingallat) ist der Hauptwirkstoff im grünen Tee und einer der am besten erforschten pflanzlichen Entzündungshemmer. Er wirkt über mehrere Wege: Er blockiert — ähnlich wie Curcumin — den Entzündungs-Hauptschalter NF-κB, reduziert Entzündungsbotenstoffe und hat zusätzlich antioxidative Effekte. Zwei bis drei Tassen täglich gelten als sinnvoll — allerdings ist Qualität entscheidend, da der EGCG-Gehalt bei Teebeuteln aus dem Discounter stark variiert.
9. Hagebuttenpulver
Das ist vielleicht die unbekannteste Empfehlung hier — aber für mich eine persönliche. Ich nehme es täglich wegen meiner Hüfte, und es gibt dazu eine bemerkenswert solide Studienlage für ein „einfaches“ Nahrungsmittel.
Mehrere randomisierte, doppelblinde Studien zeigen, dass standardisiertes Hagebuttenpulver (Rosa canina) Schmerzen und Steifigkeit bei Knie- und Hüftarthrose signifikant verbessern kann. Warholm et al. (2003) zeigten eine signifikante Verbesserung der Hüftgelenksmobilität und Schmerzreduktion. Winther et al. (2005) bestätigten in einer randomisierten Crossover-Studie mit 94 Patienten, dass 5 g Hagebuttenpulver täglich Schmerzen und Steifigkeit bei Knie- und Hüftarthrose reduzieren. In einer Meta-Analyse von Rein und Kollegen wurden Patienten, die Hagebuttenpulver einnahmen, als doppelt so wahrscheinlich responsiv eingestuft wie die Placebo-Gruppe — mit einem deutlich reduzierten Schmerzmittelverbrauch in der Behandlungsgruppe.
Die wirksamen Substanzen sind vermutlich Galactolipide, die entzündungshemmend in die Arachidonsäurekaskade eingreifen. Ob das auch für Menschen ohne Gelenksymptome relevant ist, ist weniger klar — für mich hat es sich als sinnvolle tägliche Ergänzung etabliert.
10. Dunkle Schokolade (über 70 Prozent Kakaoanteil)
Kakao enthält Flavanole — insbesondere Epicatechin — die in Studien entzündungshemmend wirken und die Blutgefäßgesundheit verbessern. Der entscheidende Punkt: Je höher der Kakaoanteil, desto mehr Flavanole, desto weniger Zucker. Milchschokolade fällt deshalb raus. Eine kleine Portion dunkler Schokolade täglich ist gut untersucht und lässt sich ohne schlechtes Gewissen einplanen.
Was du weglassen solltest
Entzündungshemmend essen bedeutet nicht nur, die richtigen Dinge hinzuzufügen — es geht auch darum, bestimmte Auslöser zu reduzieren.
Zucker und raffinierte Kohlenhydrate erhöhen Blutzuckerspitzen, die ihrerseits Entzündungssignale auslösen. Transfette (industriell gehärtete Fette, früher in vielen verarbeiteten Produkten) gelten als direkte Treiber chronischer Entzündung. Und Arachidonsäure — die kommt hauptsächlich aus Fleisch und Wurstwaren und ist eine direkte Vorläufersubstanz von Entzündungsmediatoren.
Genau das stand auf meinem Zettel nach der OP. Damals hat mir das niemand erklärt. Heute verstehe ich: Arachidonsäure ist nicht per se problematisch, aber zu viel davon, kombiniert mit zu wenig Omega-3, kippt das Verhältnis ungünstig. Das Ziel ist keine Nulldiät, sondern ein besseres Gleichgewicht.
Exkurs: Weniger essen ist auch entzündungshemmend
Ein Aspekt, der oft vergessen wird: Nicht nur was du isst, sondern wie viel und wie oft du isst, beeinflusst Entzündungsmarker.
Kalorienrestriktion und intermittierendes Fasten senken nachweislich CRP und andere Entzündungsmarker. Besonders gut untersucht ist hier das Scheinfasten. Valter Longos Team an der University of Southern California zeigte in einer 2024 in Nature Communications veröffentlichten Studie, dass drei Zyklen der Fasting-Mimicking Diet das biologische Alter um im Median 2,5 Jahre senken — messbar über Biomarker, darunter CRP. Bei Probanden mit erhöhten Ausgangswerten war die CRP-Reduktion besonders ausgeprägt. Eine eigene Analyse dieser Studie habe ich hier veröffentlicht.
Das ist auch einer der Gründe, warum ich regelmäßig Scheinfasten mache — meine Erfahrungen dazu findest du im Prolon-Erfahrungsbericht und beim Salufast-Test.
Nahrungsergänzungsmittel: Nur wo echte Lücken bestehen
Ich bin grundsätzlich kein Fan von Supplement-Stacking. Echte Nahrung kommt immer zuerst — und die meisten „Anti-Aging-Supplements“ haben eine schwächere Studienlage als ein gutes Olivenöl. Aber es gibt drei Ausnahmen, bei denen die Wissenschaft klar ist und die normale Ernährung strukturell zu kurz kommt:
Omega-3 (EPA/DHA): Selbst wer regelmäßig Fisch isst, erreicht oft nicht die Mengen, die in Studien mit entzündungshemmenden Effekten assoziiert werden. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 liegt in westlichen Ernährungsmustern häufig bei 15:1 oder schlechter — optimal wäre 4:1 oder besser. Als Familie nehmen wir es täglich — auch die Kinder. Wer hier gezielt nachhelfen will, kann auf hochwertige Omega-3-Kapseln oder Algenöl zurückgreifen.
Vitamin D: Streng genommen kein Entzündungshemmer im klassischen Sinne, aber Vitamin-D-Mangel ist ein bekannter Verstärker von Entzündungsprozessen. In der DACH-Region sind gerade in den Wintermonaten 40–60 Prozent der Bevölkerung unterversorgt. Ein Bluttest ist empfehlenswert — dann weiß man, wo man steht. Auch das nehmen wir als Familie. Sinnvoll sind Vitamin-D3-Tropfen, die D3 mit K2 kombinieren — beide Vitamine arbeiten zusammen, und K2 sorgt dafür, dass Calcium dorthin gelangt, wo es hingehört: in die Knochen statt in die Gefäße.
Curcumin-Extrakt: Für therapeutisch relevante Dosen reicht das Kochen mit Kurkuma nicht aus. Moderne Curcumin-Präparate mit verbesserter Bioverfügbarkeit können hier sinnvoll sein. Das ist jedoch ein Thema für einen eigenen Artikel.
Wer mehrere dieser Substanzen gezielt kombinieren möchte, kann auch auf fertige Supplement-Bundles zurückgreifen, die speziell auf Entzündungsreduktion ausgelegt sind.
Ernährung ist nicht alles: Was sonst noch entzündungshemmend wirkt
Ernährung ist der größte und zugänglichste Hebel — aber kein alleiniger. Die Forschung ist eindeutig: Wer sich entzündungsarm ernährt, aber chronisch schlecht schläft, kaum bewegt und dauerhaft unter Stress steht, bekämpft das Problem nur an einer Front.
Schlaf ist vermutlich der unterschätzteste Faktor. Bereits eine einzige Nacht mit unter sechs Stunden Schlaf erhöht nachweislich CRP und IL-6. Studien zeigen, dass chronischer Schlafmangel Entzündungsmarker dauerhaft erhöht — vergleichbar mit einer ungesunden Ernährung. Tief- und REM-Schlaf sind dabei besonders relevant, weil in diesen Phasen aktiv entzündungshemmende Prozesse ablaufen.
Regelmäßige Bewegung reduziert in Studien konsistent CRP und andere Entzündungsmarker — moderate Ausdauerbelastung zeigt dabei die stärksten Effekte. Interessant: Zu intensive, zu häufige Belastung ohne ausreichend Regeneration kann Entzündung kurzfristig erhöhen. Regelmäßigkeit schlägt Intensität.
Sauna mag überraschen — aber die Studienlage ist solide. Laukkanen und Kollegen zeigten in mehreren finnischen Langzeitstudien, dass regelmäßiger Saunagang CRP und andere Entzündungsmarker signifikant senkt. Drei- bis viermal pro Woche zeigt messbare Effekte.
Soziale Isolation ist einer der überraschendsten Befunde: Chronische Einsamkeit erhöht nachweislich Entzündungsmarker — unabhängig von Ernährung und Sport. Cacioppo und Kollegen konnten zeigen, dass soziale Verbundenheit direkt regulierend auf das Immunsystem wirkt.
Chronischer Stress wirkt über den Cortisol-Weg: Dauerhaft erhöhtes Cortisol desensibilisiert Immunzellen gegenüber dem entzündungshemmenden Signal — ein Mechanismus, der sich mit Ernährungsoptimierung allein nicht kompensieren lässt.
Das Fazit: Entzündungshemmende Ernährung ist das Fundament. Aber Schlaf, Bewegung und Stressregulation sind die Wände, die das Gebäude erst stabil machen.
Mein praktisches Setup — wie ich das in den Alltag integriert habe
Ich werde manchmal gefragt, ob das alles nicht wahnsinnig aufwändig ist. Ist es nicht — wenn man es einmal eingeschliffen hat.
Morgens habe ich ein kleines Tablett auf der Küchentheke, das ich direkt zum Müsli stelle: Hanfsamen (Omega-3, günstiges Fettsäureprofil), Chiasamen (pflanzliches Omega-3, Ballaststoffe), Hagebuttenpulver (Gelenke, Vitamin C), Amla (hochkonzentriertes Vitamin C, Polyphenole) und Weizenkeime (für Spermidin). Fünf Löffelchen, zwei Minuten.
Kurkuma gebe ich bei fast allem dazu: in Eier, in Suppen, in Soßen, manchmal einfach in warmes Wasser mit etwas Pfeffer. Der Pfeffer-Trick (Piperin) erhöht die Aufnahme deutlich.
Olivenöl ist unser Standard-Kochfett. Ein gutes extra-vergines Öl mit vielen Polyphenolen, das nach Oliven riecht und im Rachen leicht kratzt. Dieses Kratzen ist das Oleocanthal. Wenn ein Olivenöl nicht kratzt, enthält es kaum Polyphenole.
Fleisch essen wir selten — wenn, dann in Bioqualität. Das ist nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 eine echte Rolle spielt — das habe ich nach meiner OP verstanden.
Das alles war Teil meines abgeschlossenen Selbstversuchs: In einem Jahr mein biologisches Alter um mehr als 2,5 Jahre senken. Entzündungshemmende Ernährung war einer der zentralen Hebel — und tatsächlich haben sich meine CRP-Werte im Verlauf messbar verbessert. Wie du dein eigenes biologisches Alter bestimmen kannst, erkläre ich in diesem Überblicksartikel.
Fazit
Entzündungshemmend essen ist kein Diät-Programm und kein kurzfristiger Hack. Es ist ein Prinzip — eine Richtung, in die man die täglichen Entscheidungen lenkt.
Die Wissenschaft ist hier klar: Ernährung kann echten Einfluss auf Entzündungsmarker nehmen. Und da Inflammaging einer der zentralen Mechanismen hinter dem Altern ist, ist das kein Nischen-Thema für Biohacker, sondern relevant für jeden, der gesünder älter werden möchte.
Drei konkrete erste Schritte, wenn du heute anfangen willst:
- Tausche dein Kochfett gegen ein hochwertiges Olivenöl extra vergine aus — das mit dem Kratzen im Hals.
- Iss diese Woche mindestens einmal fetten Fisch (Lachs, Makrele oder Hering) — oder nimm Omega-3 als Supplement zu dir.
- Leg dir Kurkuma hin und fang an, es täglich hinzuzugeben — mit einer Prise schwarzen Pfeffer.
Das sind keine drastischen Änderungen. Aber sie verschieben das Verhältnis — und darauf kommt es an.
Die wichtigsten Fragen aus meiner Erfahrung
Welche Lebensmittel haben die stärkste entzündungshemmende Wirkung?
Nach aktueller Studienlage sind fetter Fisch (Omega-3), hochwertiges Olivenöl extra vergine (Oleocanthal) und Kurkuma (Curcumin) am besten untersucht. Sie wirken über verschiedene Mechanismen und ergänzen sich gut. Keine einzelne „Supernahrung“ reicht aus — es geht um das Gesamtbild der Ernährung.
Wie lange dauert es, bis eine entzündungshemmende Ernährung wirkt?
Das hängt von deinen Ausgangswerten und dem Gesamtkontext ab. In einigen Studien zeigen sich Veränderungen bei Entzündungsmarkern nach 4–12 Wochen konsequenter Ernährungsumstellung. Einzelne Bluttests vorher und nachher können helfen, das zu beobachten — keine schnelle Lösung, aber bei konsequenter Umsetzung messbar.
Kann ich damit Medikamente ersetzen?
Nein — und das ist auch nicht die richtige Frage. Eine entzündungshemmende Ernährung ist eine präventive und unterstützende Strategie, kein therapeutischer Eingriff. Wenn du Medikamente nimmst, bitte immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen, bevor du etwas änderst.
Macht es Sinn, alle Supplements auf einmal zu nehmen?
Nein. Supplement-Stacking ist teuer, unübersichtlich, und bei den meisten Substanzen ist die Kombinationsstudienlage dünn. Mein Ansatz: zuerst die Ernährung optimieren, dann prüfen, wo strukturelle Lücken bestehen (Omega-3, Vitamin D sind die häufigsten), und nur diese gezielt schließen. Alles andere nur mit konkretem Anlass und nach Rücksprache.
Helfen entzündungshemmende Lebensmittel auch gegen graue Haare?
Oxidativer Stress und chronische Entzündung können tatsächlich Einfluss auf die Haargesundheit haben. Was die Forschung dazu sagt, habe ich in einem eigenen Artikel zu Lebensmitteln gegen graue Haare zusammengefasst.
Wissenschaftliche Quellen
- Beauchamp, G.K. et al. (2005). „Ibuprofen-like activity in extra-virgin olive oil.“ Nature, 437(7055), 45–46. DOI
- Longo, V.D. et al. (2024). „Fasting-mimicking diet causes hepatic and blood markers changes indicating reduced biological age and disease risk.“ Nature Communications, 15, 1309. DOI
- Mortazavi Moghaddam, S.G. et al. (2022). „Efficacy of the omega-3 fatty acids supplementation on inflammatory biomarkers: An umbrella meta-analysis.“ Journal of Functional Foods, 99, 105274. DOI
- Winther, K., Apel, K. & Thamsborg, G. (2005). „A powder made from seeds and shells of a rose-hip subspecies (Rosa canina) reduces symptoms of knee and hip osteoarthritis.“ Scandinavian Journal of Rheumatology, 34(4), 302–308. DOI
- Warholm, O. et al. (2003). „The Effects of a Standardized Herbal Remedy Made from a Subtype of Rosa canina in Patients with Osteoarthritis.“ Current Therapeutic Research, 64(1), 21–31. DOI
- Rein, E. et al. (2004). „A herbal remedy reduces pain and improves general wellbeing in patients with osteoarthritis.“ Phytomedicine, 11(5), 383–391. DOI
- Feehan, L.M. et al. (2025). „Global research trends in inflammaging from 2005 to 2024: a bibliometric analysis.“ Frontiers in Aging, 6, 1554186. DOI
- Kunutsor, S.K. et al. (2018). „Longitudinal associations of sauna bathing with inflammation and oxidative stress.“ Annals of Medicine, 50(5), 437–442. DOI
- Doyle, D.M. et al. (2022). „The Association Between Loneliness and Inflammation.“ Frontiers in Behavioral Neuroscience, 15, 801746. DOI
- Irwin, M.R. et al. (2016). „Sleep Disturbance, Sleep Duration, and Inflammation: A Systematic Review and Meta-Analysis.“ Biological Psychiatry, 80(1), 40–52. DOI

