Studie: Kaffee verändert Darmbakterien und Gehirn
Kaffee verbessert das Gedächtnis – aber nur ohne Koffein. Das ist eines der überraschenden Ergebnisse einer neuen Studie aus Irland. Forscher:innen der University College Cork haben untersucht, wie Kaffee die Zusammensetzung der Darmbakterien verändert und darüber Stimmung, Stress und Denkleistung beeinflusst.
Was wurde untersucht?
Ein Team um die Wissenschaftlerin Serena Boscaini vom APC Microbiome Ireland, einem Forschungszentrum der University College Cork (UCC), hat 62 Erwachsene untersucht. Die eine Hälfte waren regelmäßige Kaffeetrinker:innen mit drei bis fünf Tassen täglich. Die andere Hälfte trank keinen Kaffee.
Die Kaffeetrinker:innen mussten zwei Wochen lang komplett auf Kaffee verzichten und danach wieder einsteigen. Während der gesamten Zeit wurden Stuhlproben, Urinproben und psychologische Tests ausgewertet. So konnten die Forscher:innen messen, was sich durch den Entzug verändert und was nach der Rückkehr zum Kaffee wieder einsetzt.
Die Ergebnisse wurden im April 2026 im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.
Die Ergebnisse
Kaffee verändert die Darmflora messbar
Bei den Kaffeetrinker:innen fanden die Forscher:innen höhere Konzentrationen bestimmter Bakterienarten: Eggerthella sp., ein Bakterium, das an der Gallensäure-Synthese beteiligt ist, und Cryptobacterium curtum. Auch Firmicutes CAG:94 war erhöht, ein Bakterienstamm, der in früheren Studien bei Frauen mit einem positiveren emotionalen Befinden in Verbindung gebracht wurde.
Kaffee wirkt also nicht nur als Wachmacher, sondern verändert, was im Darm passiert. Das Darmmikrobiom (die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm) beeinflusst über die sogenannte Darm-Hirn-Achse wiederum Stimmung, Stressreaktion und Denkleistung.
Entkoffeinierter Kaffee verbessert Lernen und Gedächtnis
Beide Kaffeevarianten, koffeinhaltig und entkoffeiniert, senkten Stress, Depressivität und Impulsivität bei den Teilnehmer:innen. Aber nur beim entkoffeinierten Kaffee zeigte sich eine messbare Verbesserung der Lern- und Gedächtnisleistung.
Das legt nahe: Nicht Koffein ist für die Wirkung auf das Gehirn verantwortlich, sondern die Polyphenole (pflanzliche Schutzstoffe) und andere bioaktive Verbindungen im Kaffee. Entkoffeinierter Kaffee enthält davon genauso viel wie normaler.
Koffein hat andere Stärken
Koffeinhaltiger Kaffee war dafür in anderen Bereichen überlegen: Die Teilnehmer:innen berichteten über weniger Angst und bessere Aufmerksamkeit. Außerdem zeigte sich ein geringeres Entzündungsrisiko. Koffein ist ein Adenosin-Antagonist, es blockiert Müdigkeitssignale im Gehirn. Diese Effekte sind gut dokumentiert.
Was die Studie belegt
Kaffee ist mehr als ein Koffein-Lieferant. Die Studie zeigt, dass regelmäßiger Kaffeekonsum von drei bis fünf Tassen täglich, was die Studie als moderaten Konsum definiert, die Darmflora messbar verändert. Gleichzeitig beeinflusst er Stimmung und kognitive Leistung.
Professor John Cryan, Co-Autor der Studie und Mikrobiom-Forscher an der UCC, fasst es so zusammen: „Kaffee kann verändern, was Mikroben gemeinsam tun und welche Metaboliten sie nutzen.“
Praktisch bedeutet das: Wer das Gedächtnis unterstützen will, könnte die letzte Tasse des Tages durch entkoffeinierten Kaffee ersetzen. Die Polyphenole wirken trotzdem, und der Schlaf wird nicht gestört.
Einordnung
Die Studie hat 62 Teilnehmer:innen. Das ist solide für eine Mikrobiom-Studie, aber keine Massenerhebung. Langzeiteffekte wurden nicht untersucht, und die Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen Firmicutes und emotionalem Befinden beziehen sich bisher vor allem auf Frauen. Wie bei jeder Ernährungsstudie gilt: Kaffee allein macht nicht gesund, er ist ein Baustein.
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Quellen
- Boscaini, S. et al. (2026). Nature Communications. DOI: 10.1038/s41467-026-71264-8
- APC Microbiome Ireland, University College Cork

